Elektrotechnik-Dekan verstößt mit Kriegsforschung gegen Grundordnung der Universität Kassel

Pressemitteilung – Uni-Leaks: Anonymer Hinweis gab Aufschluss über Forschungsprojekt für drahtlose Kommunikation in Panzern.

Am Fachbereich Elektrotechnik/Informatik der Universität Kassel wird an der drahtlosen Kommunikation in Panzern geforscht. Dabei handelt es sich insbesondere um die Kommuniktion zwischen dem Fahrer und dem Passagier im Panzerturm – eine Grafik am Büro des verantwortlichen Dekans für Elektrotechnik zeigt das Forschungsprojekt anhand eines „Leopard 2“-Kampfpanzers. Aufgrund der vielen leitenden Materialien in Panzern stelle sich drahtlose Kommunikation in Panzern als schwierig heraus, heißt es auf Aushängen zu der Grafik. Das Projekt verfolgt damit eindeutig den Zweck Militärmaterial zu verbessern und verstößt damit gegen die Grundordnung der Universität Kassel.

Vor fast einem Jahr hatte der Senat in der Grundordnung festgeschrieben: „Forschung und Entwicklung, Lehre und Studium an der Universität Kassel sind ausschließlich friedlichen Zielen verpflichtet und sollen zivile Zwecke erfüllen“. Der „Arbeitskreis Zivilklausel“, eine Initiative gegen Kriegsforschung an der Universität, zeigt sich alarmiert: „Wir fordern die Universitäts-Leitung zum einschreiten auf“, so Claudia Holzner von der Arbeitsgruppe. Der Vorfall zeige, dass der vom Senat als „Zivilklausel“ bezeichnete Absatz in der Grundordnung bislang nicht umgesetzt werde: „Scheinbar kann weiterhin ungestört Forschung für Krieg und Militär stattfinden“, empört sich die Studentin.
Um der mangelnden Transparenz bei der meist geheimen Militärforschung entgegenzuwirken, rief der „Arbeitskreis Zivilklausel“ vor knapp zwei Jahren alle Studierenden sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Universität dazu auf anonym Informationen über Militärforschung in einen Briefkasten auf dem Campus zu werfen.
In ihrem „Uni-Leaks“-Briefkasten fanden die Studierenden des Arbeitskreises vor kurzem die Fotos von den Aushängen am Fachbereich Elektrotechnik. „Wir haben die Hinweise natürlich überprüft und nachgesehen, ob die Plakate dort wirklich hängen“, erklärt Simon Kiebel von dem Arbeitskreis. Da sich der Verdacht bestätigt hat, fordert der Arbeitskreis Aufklärung: „Handelt es sich hier um eine Kooperationsforschung mit einer der in Kassel ansässigen Rüstungsunternehmen? Wie hoch ist das Auftragsvolumen und wie kann es sein, dass Rüstungsforschung an der Universität Kassel trotz der Vorschrift in der Grundordnung immer noch stattfindet?“, fragt Kiebel. Die Initiative gegen Militärforschung möchte den Fall bald im Senat thematisieren.
Für den Hinweis bedanke sich der Arbeitskreis bei dem anonymen Informationsgeber/der anonymen Informationsgeberin und ruft weiter dazu auf den Briefkasten vor dem Büro des „Allgemeinen Studierendenausschusses“ in der Nora-Platiel-Straße 2 zu nutzen. Wer beim „Arbeitskreis Zivilklausel“ mitmachen möchte könne zudem zur Einführungsveranstaltung am Mittwoch, den 26.11.2014 um 18 Uhr in die Nora-Platiel-Straße 2 kommen.

Foto vom Aushang zur Panzer-Kommunikationsforschung in hoher Auflösung (1)
Foto vom Aushang zur Panzer-Kommunikationsforschung in hoher Auflösung (2)