Zivilklausel-Arbeitskreis bedauert Fehlinformation: „Mit Transparenz bei der Militärforschung wäre das nicht passiert“

Pressemitteilung – An der Universität Kassel präsentierte Rüstungsforschung ist bereits mehrere Jahre alt. Studentischer Arbeitskreis fordert mehr Transparenz von der Uni-Leitung, um solche Fehler in Zukunft zu vermeiden.

Vor wenigen Tagen hatte der Arbeitskreis Zivilklausel, eine Initiative, die sich gegen Militärforschung an der Universität einsetzt, eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der auf eine Forschungsarbeit für drahtlose Kommunikation in Panzern aufmerksam gemacht wurde: ein Verstoß gegen die Grundordnung der Universität, wie der Arbeitskreis schrieb. Nun dementiert der verantwortliche Elektrotechnik-Dekan: Die aktuell in den Gängen seines Fachgebiets plakatierte Panzer-Forschung – die nicht mit Datum gekennzeichnet ist – sei bereits vor mehreren Jahren abgeschlossen.

Der Arbeitskreis Zivilklausel bedauert die Fehlinformation, unterstreicht aber die Forderung nach Transparenz: „Würde es an der Universität einen offenen und transparenten Umgang mit militärischen Forschungsprojekten geben, wäre die Informationslage für uns genauer gewesen. Der Fall der Panzer-Kommunikation zeigt, dass wichtige Informationen zur Militärforschung an der Universität nicht für die Öffentlichkeit zugänglich sind“, gibt Claudia Holzner vom Arbeitskreis Zivilklausel zu bedenken. Zudem widerspreche nach Ansicht der Studierenden allein das Werben für Kommunikation in Panzern der Verpflichtung der Universität zu rein friedlichen und zivilen Zwecken zu forschen.
Auch der Student Simon Kiebel kritisiert die fehlende Transparenz: „Die Universität Kassel hat als einzige hessische Hochschule die Anfrage der Landesregierung zu rüstungsnaher Forschung nur mit drastischen Einschränkungen beantwortet.“ Tatsächlich hatte die Universität Kassel in ihrer Antwort eigene Kriterien für Militärforschung definiert, nach denen nicht einmal die europaweit führende Rüstungsfirma „Rheinmetall Defence“ als rüstungsnah eingestuft wurde. Und das, obwohl über 72 % der Studierenden sich per Urabstimmung für mehr Transparenz bei Militärforschung ausgesprochen hatten.
Der Senat der Universität sowie das Präsidium haben sich bislang geweigert, der Öffentlichkeit Auskunft über Rüstungsprojekte zu erteilen. Eine bessere Informationslage wäre daher zum Wohle aller, um in Zukunft Fehlinformationen und Verwirrungen bezüglich Forschungsprojekten für Krieg und Militär auszuschließen.
Wie aus der Presse zu entnehmen war, soll die aufgegriffene Arbeit über Kommunikation in Panzern an der Universität Kassel abgeschlossen sein. Offen ist jedoch, in wie weit die Forschungsergebnisse auch tatsächlich in Panzern – eine Grafik zeigte einen „Leopard 2“-Kampfpanzer der Kasseler Rüstungsschmiede „Krauss-Maffei Wegmann“ – umgesetzt wurden. Auch hierüber wünschen sich die Studierenden in Zukunft Aufklärung von der Uni-Leitung: „Wir möchten nochmals eindringlich an die Verantwortlichen an der Universität appellieren, für Transparenz zu sorgen“, so der Student Simon Kiebel. Nur so könne eine sachliche Diskussion über Militärforschung an der Universität Kassel ohne Fehlinformationen stattfinden.